Verhaltenstherapie – was steckt dahinter?

Muss der Hund auf die Couch -oder darf er das keinesfalls?

Wie soll man sich das vorstellen, wenn der Hund zur Therapie muss?

Eigentlich ist es ganz einfach und auch gar nicht geheimnisvoll: Wenn der Hund ein Verhalten zeigt, das der Besitzer verändern möchte (z. B. Aggression an der Leine), wird mit dem Hund ein erwünschtes Verhaltensmuster so gut geübt (in diesem Fall: ruhiges Verhalten an der Leine), dass es schließlich das ursprüngliche Verhalten ersetzt. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen und hängt auch sehr davon ab, wie lange und intensiv der Hund das „alte“ Muster schon ausgeübt hat und wie geschickt der Hundebesitzer beim Training ist. Die Trainingsgrundregeln sind beim Umlernen im übrigen die gleichen wie beim Neulernen. Erschwerend kommt die konsequente Vermeidung des unerwünschten Verhaltensmusters dazu, was im Alltagsleben den Hundebesitzer häufig vor Probleme stellt. Ein guter Trainer und Verhaltensberater steht daher mit Rat und Tat zur Seite, wenn es gilt, die Theorie in die Praxis umzusetzen.

Möglichkeiten und Grenzen der Therapie

Sehr gute Erfolge sind dann zu erzielen, wenn der Hund bisher falsche Informationen vom Besitzer erhalten hat und dadurch das Problemverhalten entstanden ist. Dazu gehört zum Beispiel jede Form von aufmerksamkeitsheischendem Verhalten (Bellen, Winseln, Aufdringlichsein etc.). Indem der Hundebesitzer sein eigenes Verhalten konsequent verändert, lernt auch der Hund sehr schnell, sein Verhalten umzustellen.

Sehr viel schwieriger ist es, wenn es sich bei den Problemen um Ängste oder aggressive Verhaltenstendenzen handelt. Die Ursachen liegen meist in Defiziten der Verhaltensentwicklung in der Sozialisationsphase – und die ist vorbei und auch nicht mehr rückgängig zu machen! Deshalb ist eine optimal genützte Sozialisationsphase beim Welpen unbezahlbar und die beste Vorsorge gegen Probleme jeder Art! Da Ängste und Aggressionen beim Hund aber darüber hinaus vom Besitzer und den Familienmitgliedern aus Unwissenheit durch verschiedene Maßnahmen vergrößert werden, besteht bei einer Therapie die Möglichkeit, doch einiges zum Besseren zu wenden. „Geheilt“ wird ein ängstlicher oder leicht aggressiv reagierender Hund aber NIE!! Bestenfalls wird die Reizschwelle (= der Punkt, an dem der Hund mit Flucht oder Angriff reagiert) verändert (erhöht), sodass die Reaktion nicht mehr so leicht erfolgt.

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Der Schlüssel zum Erfolg: Stressreduktion

Unsere Hunde, ganz besonders wenn sie in der Stadt leben, sind mit vielen Situationen im Alltag ganz einfach überfordert. Der Hundekörper antwortet darauf mit einer physiologischen Stressreaktion: Spezielle Hormone werden ins Blut abgegeben und versetzen den Körper in Alarmbereitschaft. Wenn es schließlich zu viel ist, reagiert der Hund vielleicht schon bei einer relativ kleinen Beunruhigung mit aufgeregtem Verhalten. Viele Leute sagen, dass die Reaktion des Hundes „ohne erkennbaren Grund“ erfolgt wäre. In Wirklichkeit war die Summe der Ereignisse – die wir Menschen als solche oft gar nicht erkennen – einfach zu viel, und die heftige Reaktion des Hundes ist daher durchaus erklärbar.
 
Was kann man tun?

  1. Der Hundebesitzer muss sich darüber informieren, was Hunde in Stress versetzt.
  2. Der Hundebesitzer muss herausfinden, was seinen ganz speziellen Hund in Stress versetzt.
  3. Der Hundebesitzer muss einen Weg finden, um den Stress seines Hundes zu verringern.

Ach ja, um noch einmal auf die Couch zurück zu kommen: Wenn Sie und Ihr Hund dort so richtig entspannen können, dann tun Sie es! :-)

Verhaltenstherapie – wie läuft das ab?

Da es sich in der Regel um sehr individuelle Probleme handelt, ist das Vereinbaren von Einzelstunden notwendig. Die erste Stunde ermöglicht dem Trainer und Berater ein Kennenlernen von Hund und Besitzer und eine erste Bestandsaufnahme des Problemverhaltens. Der Besitzer erhält Auskunft über realistische Möglichkeiten des Trainings und erste Tipps für die Umsetzung. Der eigentliche „Trainer“ des Hundes ist und bleibt der Besitzer selbst, das heißt eine Verhaltensänderung des Tieres ist nur dann möglich, wenn der Besitzer die Anweisungen des Beraters bestmöglich ausführt. Dafür sind in erster Linie ernsthaftes Interesse, Zeit, Geduld und wohlwollende Konsequenz und nicht so sehr das häufige Absolvieren von Einzelstunden notwendig. Gelegentliche Stunden mit dem Berater ermöglichen jedoch eine Kontrolle der Fortschritte und das Vermeiden von Fehlern. Eine echte und vertrauensvolle Kooperation mit dem Berater ist dabei unabdinglich.

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